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Gewalt bei Mädchen



Zunehmendes Fallaufkommen: Gewalt bei Mädchen

Der abgeschriebene Artikel in der Frankfurter Rundschau beleuchtet eine interessante Entwicklung, die für den TOA und den Bereich der ambulanten Jugendhilfe richtungweisende Konsequenzen auferlegt.

Auch unser statistisches Datenmaterial belegt, dass der Anteil der Mädchen und jungen Frauen bei Körperverletzungsdelikten um ca. 25% – 30% gestiegen ist.

Die höhere Gewaltbereitschaft bei Mädchen, Konflikte zu „lösen“, erfordert eine genauere Differenzierung der Geschlechterrollen. Die Angebotsstruktur sollte Bezugnehmen auf methodische Vorgehensweisen in der Arbeit mit kriminell gefährdeten Mädchen und jungen Frauen sowie auf Präventionsarbeit bspw. an Schulen.

Die methodischen Ausrichtungen in der Arbeit mit delinquenten Mädchen und jungen Frauen und kriminell gefährdeten Mädchen-Gruppen sollte auf diesen Trend Bezug nehmen und genauere Ergebnisse filtern, wie sich Gewaltanwendung von Frau zu Frau unterscheidet und wie dem am besten entgegen gewirkt werden kann.

Im Folgenden stellen wir den Artikel aus der Frankfurter Rundschau vom 1.11.2005 vor:
Mädchen schlagen heute häufiger zu
Täterinnen agieren oft in Gruppen
Immer mehr Straßenkinder ohne soziales Gefüge
Umfeld schreitet zu selten ein

Die hessische Polizei beobachtet immer mehr gewalttätige Mädchen. Beratungsstellen sehen einen Zusammenhang mit eigener Gewalterfahrungen der Jugendlichen.


Frankfurt
Wiesbaden an einem Abend im vergangenen Juli: In der Moritzstraße wird eine 15-Jährige geschlagen und mit brennenden Zigaretten misshandelt. Als Täter nennt der Polizeibericht eine Gruppe von zehn Mädchen. Zwei Jungen, die auch dabei waren, sollen sich passiv verhalten haben. Bei Wetzlar lauerten zwei 15 und 16 Jahre alte Mädchen einer Mitschülerin auf, schlugen, traten und bespuckten sie und zwangen ihr Opfer, Speichel von einem Stein aufzulecken. Fälle wie dieser seien in den vergangenen fünf Jahren häufiger vorgekommen als früher, sagt Wolfgang Gores, Leiter der Polizeidienststelle AG Jaguar, zuständig für Kinder- und Jugendkriminalität in Wiesbaden. „Grundsätzlich ist die Gewaltbereitschaft bei Mädchen gestiegen.“

Jürgen Fröhlich, Richter am Frankfurter Jugendgericht, teilt diese Einschätzung. „Die Brutalität hat zugenommen“, sagt er. Anders als früher schlügen junge Frauen und Mädchen haute selbst zu, auch am Boden liegende Gegnerinnen würden weiter getreten. Dies geschehe zumeist aus einer Gruppe heraus, Opfer seien fast ausschließlich andere Mädchen und die Anlässe häufig gering. Anders als bei männlichen Jugendlichen, so Fröhlich, würden dabei aber keine Waffen eingesetzt, und auch bei den bislang „typischen“ Männerdelikten wie Wohnungs- oder Autoaufbrüche seien weibliche Täter noch immer die großen Ausnahmen.

Nach Beobachtungen von AG Jaguar-Leiter Gores hat der Trend zu mehr Brutalität unter Mädchen mit Girlie Groups wie Tic Tac Toe begonnen, die durch ihr Auftreten und ihre Texte das weibliche Selbstwertgefühl gestärkt hätten. „Die brauen keine Jungs mehr“, sagt Gores. Früher hätten Mädchen mit dem großen Bruder gedroht, heute holten sie ihre Freundinnen dazu.

Ein Massenphänomen ist junge weibliche Gewalt freilich nicht. Etwa ein Viertel der jugendlichen Tatverdächtigen ist weiblich, so weist es die hessische Kriminalstatistik für das Jahr 2004 aus. Bei Gewaltdelikten liegt diese Quote noch weit niedriger. Nur etwa jede zehnte Körperverletzung wird von Mädchen oder Frauen begangen. Oft handele es sich bei den Täterinnen um pubertierende Mädchen, die bereits auffällig geworden seien, sagt Gores. Seiner Ansicht nach hat sich ein gesellschaftlicher Wandel vollzogen, der sich unter anderem darin äußere, dass es immer mehr Straßenkinder gebe. „Deren Leben ist komplett auf den Kopf gestellt, die haben kein Sozialgefüge mehr“, sagt er.


Harscher Umgangston in Cliquen

Es gibt eine Vorstufe zur körperlichen Gewalt. Das sind die Schimpfwörter, die in manchen Jugendcliquen mittlerweile zum guten Ton gehören. „Der Umgangston in bestimmten Milieus hat sich geändert“, sagt Bettina Jansen von der Beratungsstelle für Mädchen und junge Frauen „Zora“ in Wiesbaden. Was nicht heißen solle, dass alle Heranwachsenden, die Brutalität in der Familie erleben, selbst zu Täterinnen werden. Gleichwohl gelte: „In Cliquen wird häufiger Gewalt toleriert.“ Das Umfeld schreite viel zu selten ein, um Mädchen, die durch rohe Wortwahl auffallen, Einhalt zu gebieten. Allerdings, so der Jugendkoordinator Siegward Roth von der Polizei Gießen, sei es falsch, sich auf eine einzige Ursache festzulegen.

Jugendrichter Fröhlich rechnet für die Zukunft mit mehr weiblichen Angeklagten – „deren Zahl steigt ganz selbstverständlich in dem Maße an, in dem auch die Lebensverhältnisse dieser Mädchen schlechter werden“, sagt er. In einem, sagt Fröhlich, hätten die Mädchen schon heute mit den Jungen gleichgezogen: Müssen sie sich für ihre Taten verantworten, zeigen sie genauso oft Reue – oder sind ebenso häufig uneinsichtig wie ihre männlichen Mitangeklagten.

L. Arns, J. Rippegather, P. Hanack

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