Sozialer Trainingskurs - Konzeptioneller Leitfaden
Kursaufbau:
Dauer: 3 Monate mit zusätzlichen Vor- und Nachbereitungsphasen unter Einbindung der Jugendlichen
Teilnehmerzahl: 7 - 10
Alter: 14 - 21 Jahren (Jugendliche und Heranwachsende)
Gruppentreffen:
- 1 bis 2 mal à 3 Stunden/Woche
- Tagesaktionen (Besuch von Einrichtungen, Sport- und Bewegungsinhalte)
- Zwei Wochenendmaßnahme mit erlebnispädagogischer Ausrichtung
- Einzelfallhilfe, Einzelgespräche, je nach Bedarf unter Einbezug der Lebenswelt (Familie, Schule, Beruf, Freunde)
Phasen des Sozialen Trainingskurses:
Der Kursverlauf untergliedert sich in 5 Phasen:
Vorlaufphase:
Hier findet die Kontaktaufnahme mit den Teilnehmern in Zusammenarbeit mit Jugendgericht und Jugendamt statt. Es werden die Teilnahmemotive, die Lebenssituation, die Interessen der Jugendlichen erfasst.
Kennenlernphase:
Die Gruppenarbeit beginnt. Es werden die gemeinsamen Regeln und Rahmenbedingungen geklärt und die möglichen Kursinhalte vorgestellt. Das erste erlebnispädagogische Wochenende wird gemeinsam festgelegt, organisiert und durchgeführt. Der von uns verfolgte bewegungs- und erlebnisorientierte Ansatz stellt das Handeln und Erleben in den Vordergrund. Diese Methode wird den Bedürfnissen der Jugendlichen nach körperbetonten, risikoreichen und ganzheitlichen Erlebnissen gerecht. Durch die Schaffung von authentischen Situationen (beim Klettern, Kajakfahren etc.) wird bei jedem Einzelnen die Bereitschaft erzeugt, über die eigene Lebenssituation, Wertvorstellungen und Problemen nachzudenken und Gespräche, Diskussionen darüber werden in Gang gesetzt.
Arbeitsphase:
Sie wird durch die Reflexion der Wochenendmaßnahme eingeleitet. Die aufgetretenen Konflikte und Schwierigkeiten werden nachbereitet und reflektiert. Die Reflexionsergebnisse und formulierte Interessen der Gruppe fließen in die Liste der Arbeitsthemen aus den Bereichen Familie, Freizeit, Freundeskreis, Schule, Ausbildung und Beruf. ein, die in den wöchentlichen Gruppensitzungen bearbeitet werden.
Arbeitsthemen sind z.B.:
- Gewalt, Umgang mit Aggressionen und Konfliktlösungen
- Konflikte mit den Eltern
- "Spaß haben ohne Scheiße" zu bauen
- Aufarbeitung der eigenen Straftat
- Kommunikations- und Gesprächsverhalten
- Drogen und Folgeprobleme
- Zukunfts- und Berufsperspektiven
- u.a.
Am Ende dieser Phase findet das zweite gemeinsame Wochenende statt, zu dem die Erfahrungen und Auswertungsergebnisse der ersten Fahrt für die Vorbereitung herangezogen werden.
Auch in dieser Phase wirkt sich das erlebnispädagogische Setting motivierend auf die Mitarbeit aus und beschleunigt den Gruppenprozess und wird als Teilmethode angewandt. Die Ressourcen der Jugendlichen werden genutzt und kommen zur Entfaltung. Die Möglichkeiten sind gegeben, neue Verhaltensweisen und Umgangsformen zu erproben. Die Teilnehmer sind deshalb bei der zweiten Wochenendmaßnahme in stärkerem Maße mit der Planung und Durchführung der Fahrt betraut.
Entwicklungsvergleiche zur ersten Fahrt können angestellt werden und Ergebnisse lassen sich nachvollziehbar veranschaulichen.
Übergangsphase:
Die Phase in dem das Augenmerk intensiver auf den Einzelnen gerichtet ist. Ergebnisse und Erkenntnisse aus den erlebnispädagogischen Maßnahmen und der Bearbeitung der Arbeitsthemen ziehen wir nun für einen so genannten "Zukunftsentwurf" heran. Die Bemühungen orientieren sich an dem Ziel, einen Transfer der gemachten Erfahrungen und gewonnene Erkenntnisse in die Lebensweltbereiche der Jugendlichen, wie Schule, Beruf, Familie und Freundeskreis herzustellen.
In Gruppen- und Einzelgesprächen werden individuelle Begleithilfen, wie persönliche Ziele formulieren, Stärken und Schwächen definieren, Erwartungen realistisch einschätzen erarbeitet.
Nachlaufphase:
In Absprache mit dem Jugendamt können Einzelbetreuungsmaßnahmen folgen. Jedem Teilnehmer steht es offen, sich mit seinen Schwierigkeiten und Problemen an uns zu wenden. Je nach individueller Situation werden persönliche Gesprächstermine oder Treffen vereinbart.
Die ggf. in den vorangegangenen Phasen eingeleiteten Kontakte zu anderen Kooperationspartnern (Schulen, Ausbildungszentren, Bewährungshilfe, Familie u.a.) werden im Bedarfsfall aufrecht gehalten. Dies ist ein wichtiger Bestandteil für die Vernetzung unserer Arbeit.
Persönlichkeitsbild der Zielgruppe
- Erhöhte körperbetonte Risikobereitschaft
- Gewaltdelikte mit Körperverletzung - Ausdruck davon, den Umgang mit Angst nicht gelernt zu haben
- Oft Opfer von körperlicher Gewaltanwendung, meist der Eltern
- Aus Ohnmachtsgefühlen mit Gewalt zu befreien, eine Schutzreaktion vor der Angst, verletzt zu werden
- Wenig positive Erfahrung gemacht, in dauerhaften, verlässlichen Beziehungen zu Erwachsenen zu stehen (Verlassensängste, Misstrauen)
- Gestörtes Verhältnis zu eigenem Körper, der oft vernachlässigt und bewusst verletzt wird, um Grenzbereich zu spüren
- Flucht in kindliche Phantasien, bei denen (gestohlene) Konsumgüter über ihre Bedürftigkeit hinwegtäuschen
Probleme der Zielgruppe, auf die im Kursverlauf eingegangen wird
- Passives Freizeitverhalten
- Aggressives Verhalten
- Geringes Selbstwertgefühl / kein Selbstbewusstsein
- Auffälliger Freundeskreis
- Fluchtverhalten in Konfliktsituationen
- Probleme im Umgang mit Geld
- Konflikte im familiären Bereich
- Gelegentlicher Drogenkonsum
- Schulschwierigkeiten, Schulschwänzen massives Stören
- Fehlender Schulabschluss
- Arbeitslosigkeit
- Mehrmaliger Stellenabbruch
- Häufiger Arbeitsplatzwechsel
- Geringes Berufsinteresse
- Fehlendes Durchhaltevermögen im Arbeitsbereich
Zielsetzung für den Sozialen Trainingskurs
Leitziele:
- Die Jugendlichen erhalten Aufarbeitungshilfen ihrer Probleme im sozialen Umfeld sowie der Straftathintergründe.
- Die Förderung der individuellen Fähigkeiten bei den KursteilnehmernInnen hilft vorhandene Ressourcen zu entdecken und zu mobilisieren.
- Die Jugendlichen bekommen Alternativen zum delinquenten Lebensstil aufgezeigt, um erneute Straffälligkeit zu verhindern.
Rahmenziele:
sozialpsychologische Zielsetzung, die Verhaltensänderung bewirken soll:
- Herstellung von Kontakt- und Beziehungsfähigkeit
- Förderung und Grundlegung des Selbstwertgefühls
- Bewusstmachung eigener und fremder Bedürfnisse und damit verbundene Schwierigkeiten (u.a. Straffälligkeit)
- Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit stärken
- Problemlösungsstrategien und Zielperspektiven erarbeiten
- Förderung von sozialen Kompetenzen: Gruppen-, Ausdrucks-, Konflikt- und Planungsfähigkeit
- Kriminelle Verhaltweisen erkennen und verhindern (Rückfälligkeit abwenden)
- individuelle Fähigkeiten zur Selbsthilfe organisieren (Eigeninitiative fördern)
sozialräumliche Zielsetzung, die stabile Lebensbedingungen schaffen sollen:
- das familiäre Beziehungsumfeld klären
- die schulische- und berufliche Situation klären (realistische Zielsetzung erarbeiten)
- kritische Reflexion der peergroup und deren Einfluss auf die persönliche Situation
- stabile Lebenssituation fördern, um delinquentes Verhalten anzuwenden
Handlungsziele:
- Der Jugendliche nimmt bis zum Ende am Kurs teil
- Nimmt Termine pünktlich war
- Hält gemeinsam aufgestellte Gruppenregeln ein
- Arbeitet bei Planung und Durchführung der Gruppenaktivitäten und bei den Gruppeneinheiten mit
- Kann zunehmend über seine Straftaten sprechen
- Entwickelt Einsicht in Fehlverhalten und übernimmt Verantwortung für seine Taten
- Lernt Bedürfnisse verbal zu äußern
- Erhöht seine Reflexionsfähigkeit
- Erlernt Formen und Möglichkeiten zur verbalen Auseinandersetzung und neue Strategien mit eigener Aggression umzugehen
- Lernt mit Krisen im Alltag zurechtzukommen (praktische Lebensbewältigung)
- Lernt Gefühle auszudrücken und Kreativität zu entwickeln
- Lernt über Fragen der Lebensgestaltung, -planung zu sprechen und positive Lebensperspektiven zu entwerfen
- Klärt die Beziehung zu seinen Eltern (Ablösung, Vereinbarungen, Versöhnung)
- Wird nicht mehr straffällig
- Lernt neue Möglichkeiten der Körpererfahrung kennen (Sport- und natursportliche Aktivitäten)
© 2008 | designed by: ix-Mediendesign




