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Konzeptionelle Arbeitsgrundlage


"Die Expedition"
als Gewaltpräventionsprogramm stellt ein erlebnis- und handlungspädagogisches Präventionstraining für SchülerInnen dar. Grundlegende Arbeitsthese dieses Präventionsansatzes ist, dass SchülerInnen mit auffälligem Sozialverhalten im Klassenverband mit Hilfe von Übungen und Methoden zum Sozialen Lernen erreicht werden können. Dieses Konzept der primären Prävention von Gewalt an Schulen dient der Verbesserung des Schülerverhaltens und des Klassenklimas und somit schließlich auch der Lernergebnisse. Verhaltensschwierige SchülerInnen können über eine positive Konflikt- und Streitkultur in die Klassengemeinschaft integriert werden.

Ziele der Expedition


Leitziele

  • Kooperation von Schule und außerschulischen Partnern bewährt sich bei dem gemeinsamen Ziel der Gewaltprävention
  • Klassenklima verändert sich positiv, Gewalt und Aggressionen stören weniger den Unterricht und die Klassengemeinschaft
  • Lehrerkollegium und Schüler interessieren sich für das Thema Gewaltprävention

Rahmenziele

  • Die Schüler lernen selbstständiges Handeln
  • Die Schüler erlernen Handlungskompetenz im Umgang miteinander und verbessern ihr soziales Verhalten
  • Die Schüler stärken ihr Selbstbewusstsein
  • Aggressions- und Gewaltverhalten nehmen ab
  • Das Projektangebot motiviert die Schüler zur Mitarbeit im Unterricht
  • Lehrer und Schüler akzeptieren neue Lernformen
  • Lehrer und Schüler lernen neue Fertigkeiten
  • Lehrer und Schüler können eigene Ressourcen in die Unterrichtsgestaltung einbringen
  • Unterrichtsplanung findet durch gemeinsame Nach- und Vorbereitungszeiten statt (Lehrer und Projektmitarbeiter)
  • Lehrer, Schüler und außerschulische Mitarbeiter gestalten den Unterricht in Kooperation

Handlungsziele

  • Schüler beteiligen sich und lernen Verantwortung zu übernehmen
  • Schüler entscheiden mit über Regeln, Sanktionen und Unterrichtsinhalte
  • Schüler erlernen die Spiel- und Diskussionsleitung und die Einhaltung von Regeln
  • Schüler bereiten in Kleingruppen selbstständig einzelne Unterrichtseinheiten und Aktionseinheiten vor
  • Schüler organisieren selbstständig Aktionstage und Klassenfahrten
  • Schüler beteiligen sich bei der Notengebung
  • Schüler lernen besser zuhören; Schüler lernen alternative Umgangsformen
  • Schüler schlichten bei Konflikten und Regelverstößen
  • Lehrer und Schüler wenden das Erlernte in anderen Schulstunden an
  • Lehrer entwickeln neue Aktionsangebote und Unterrichtsinhalte
  • Lehrer geben Erfahrungen an andere Lehrerkollegen weiter

Programmbausteine


Die ganzheitlich ausgerichteten Methoden unterteilen wir in folgende methodischen Komponenten (Bausteine): Die Bausteine sind als Schwerpunkte in einen zeitlichen Ablauf des mehrmonatigen Verlaufs eingebettet und Bestandteile einer Rahmenstruktur (entspricht dem Unterrichtsplan) der einzelnen 2-3stündigen Einheiten:

Aufwärmen, Kennenlernen, Vertrauen

  • Erste Phase der Projektarbeit
  • Bestandteile jeder Einheit
  • Sich-Kennenlernen als fortlaufender Prozess
  • Vertrauensbasis herstellen und emotionale Faktoren für Gruppenprozesse verdeutlichen:
  • Gefühle wahrnehmen
  • Gefühle ausdrücken und leben können
  • Körperwahrnehmung trainieren
  • Psychomotorische Übungen
  • Menschen als ganzheitliches Wesen erfahren
  • Lehrer-Team bringt sich in den Prozess ein
  • Kennenlern-, Interaktions- und Rollenspiele bestimmen diese Phase

Life-skill-Training

  • Erkennen eigener Fähigkeiten und Stärken vorhandener Fähigkeiten
  • Aufgaben selbstständig übernehmen
  • Verantwortung tragen
  • Eigene Meinung sagen lernen
  • Gruppenprozesse mit gestalten
  • Selbstbewußtsein aufbauen

Life-resistance-Training (Standfestigkeitstraining

  • Training eigener Fähigkeiten, welche noch nicht ausgeprägt sind
  • Eigene Entscheidungen treffen
  • Gruppenprozesse erfahren und erkennen
  • „Nein“ sagen können (Rollenspiele, Körperübungen)
  • Eigene Ziele formulieren

Expedition, Spiel, Klassenfahrt

  • Im Laufe des Projekts werden Expeditionen durchgeführt (z.B. in unseren hauseigenen Hochseilgarten)
  • Förderung der Selbstständigkeit
  • Expeditionsgedanke in den Spielen (Phantasie anregen)
  • Rollen-, Plan-, Interaktions- und Kooperationsspiele
  • Spiele machen das Leben begreifbar
  • Akzent liegt auf gemeinsamen Tun mit Spaß und Spontanität

Mediations-Programm

  • Konflikte konstruktiv lösen (Konflikte sind normal und positiv)
  • Konflikte bedeuten unterschiedliche Interessen (Transparenz)
  • Moderation von Konflikten üben (Diskussionsleiter)
  • Redesymbol einführen
  • Klasse entwickelt eigene Regeln für Expedition (Regelwächter)
  • Sanktionen als demokratische Entscheidung der Klasse

Natur- und Matrialerfahrung

  • Natur erleben und verstehen lernen
  • Zugänge schaffen, um über Ökologie zu sprechen

Erlebnis- und Abenteuerpädagogik

  • Nicht alltägliche Situationen und Abenteuer selbst erleben
  • Mitgestalten können
  • Sich und die Gruppe neu erleben und erfahren
  • Grenzerfahrungen machen
  • Gruppenprozesse initiieren
  • Gefühle, Erfahrungen und Erlebnisse reflektieren

Programmverlauf

Das Programm kennzeichnet sich durch drei wesentliche Merkmale die sich von traditionellen Formen der Schulsozialarbeit unterscheiden:


  • Das Projekt wird mit der gesamten Schulklasse im Regelunterricht durchgeführt. Gewalttätige und besonders auffällige Schüler werden nicht aus der Klasse herausgenommen und erfahren keine „Sonderbehandlungen“. Ziel ist, dass die Klasse lernt, sich als Gemeinschaft zu verstehen und eigene Belange zu formulieren. Die Klasse wird befähigt, sensibler auf interne Konflikt zu reagieren und im weiteren Lernschritt selbstständig Lösungen findet. Der angeleitete Prozess der Verantwortungsübernahme soll Störer und gewaltbereite Schüler durch Mithilfe der Mitschüler in die Klassengemeinschaft integriert.


  • Die pädagogische Anleitung erfolgt nach dem „Team-Teaching-Verfahren“: Klassenlehrer, Sozialpädagoge und studentische Honorarkraft arbeiten als Team zusammen. Sie bereiten gemeinsam die Unterrichtseinheiten vor, übernehmen anteilig die einzelnen Unterrichtssequenzen und reflektieren im Anschluss die vorangegangenen Einheiten. Mit dem Teamteaching werden neue Elemente in den Schulalltag implementiert, die den Lehrer unterstützen und Lernanregungen über andere Methoden (soziale Gruppenarbeit) aufzeigen. Handlungsorientierte Angebote wie Interaktionsspiele, Abenteuerpädagogik und Rollenspiel ermöglichen den Schüler einerseits Aufgabenübernahme und Bewährungssituationen und anderseits lernen Lehrer soziale Lernprozesse zu „begleiten“. Nicht der Lehrer sanktioniert Regelverstöße sondern er befähigt die Schüler auf diese zu reagieren.


  • So sieht das Programm vor, dass Schüler im Projektverlauf zunehmend an der Planung und Gestaltung der Unterrichtseinheiten partizipieren. In der vorhandenen Programmstruktur werden Aufgaben und Ämter im Rotationsprinzip an die Schüler verteilt. Schüler lernen als Spielleiter die selbstständige Anleitung von Gruppenspielen und später steigt die Anforderung bei der Planung und Organisation von Ausflugsfahrten. Mit den Ämtern sind die Übernahme der Spielleitung, die Überwachung und Einhaltung eigener Klassenregeln (Regelwächter) und Diskussionsleitung (Talkmaster) gemeint.

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